Kleine Grossstadt

Ich weiss nicht ob es daran lag, dass wir Wellington an einem Osterwochenende einen Besuch abstatteten, aber irgendwie hat mich die Stadt auf dem falschen Fuss erwischt oder ich sie…

Am Samstag ging es  früh los, so früh, dass wir um 8:00 Uhr Mühe hatten, irgendwo einen Platz zu finden, an dem einem Kaffee und Frühstück serviert wurde. Trotzdem sass ich an besagtem Morgen über glücklich vor einer dampfenden Schüssel Porridge, während meine beiden Mitreisenden abwechselnd die Schale und mich skeptisch beäugten- ja, ich mag Porridge!

Frisch gestärkt starteten wir den windigen und etwas regnerischen Tag mit einer kurzen Fahrt im berühmten Cable Car mit Endstation Botanical Garden und Sternwarte. Die Fahrt war kurz, man sah nicht viel von der Umgebung, da man meistens im Tunnel war, der mit diesen weihnächtlichen Blinklichtern ausgestattet ist, die andauernd die Farben wechseln.

Fazit: Kann man machen, es ist aber absolut kein Must See! Klar erspart man sich somit den Aufstieg zum botanischen Garten und kann ihn somit gemütlich hinunterlaufen zum Eingang, aber es gibt besseres. Und kleiner Tipp am Rande, geht früh am Morgen, dann hat es noch nicht so viele Leute.

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Aussicht vom botanischen Garten auf Wellington

Der botanische Garten wachsen viele Pflanzen, die alle schon verblüht waren, aber was erwartet man, wenn man im Herbst nach Neuseeland reist? Man hat einen unglaublich tollen Ausblick auf Wellington von da oben und kann, wie schon gesagt, den Garten von da oben gemütlich hinunter bis zum Eingang laufen (oder hoch). Es gibt  verschiedene Abschnitte mit ausländischen Pflanzen. Wer einheimische Arten sucht, der sollte lieber einfach so irgendwo spazieren gehen.

Fazit: Kann man machen, ist aber auch kein Must See! Und wenn man es besuchen will, dann nicht im Herbst/Winter. Auf jeden Fall hat man von da oben eine schöne Aussicht auf Wellington und der Abstieg hinunter in die Stadt, der durch einen alten Friedhof führt, ist auf skurrile Art und Weise amüsant und interessant.

Bei unserem Abstieg führte unser Weg direkt am Beehive vorbei. Da Wellington (wie nun alle wissen sollten) die Hauptstadt Neuseelands ist, befinden sich dort auch alle wichtigen politischen Persönlichkeiten und weil diese irgendwo wie fleissige Bienchen arbeiten, hat man ihnen besagtes Bienennest gebaut.

Wenn man wöllte, dann könnte man dort eine gratis Führung buchen, aber keiner von uns hatte Lust darauf und so haben wir nur einige Bilder von aussen gemacht.

Fazit: Ich persönlich finde das Gebäude hässlich- alle finden es hässlich. Trotzdem hat sich irgendein Architekt damit ein Denkmal gesetzt, auch wenn es kein schönes ist. Obwohl ich das Angebot einer gratis Führung nicht wahrgenommen habe, finde ich es für Interessierte, eine gute Sache.

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Der geschäftige Beehive

Am Abend fand auf der unteren Cuba Street ein Festival/Markt statt. In der Broschüre wurde es richtiggehend angepriesen als lauter und bunter Einstieg ins Nachtleben. Wir haben uns riesig darauf gefreut eine cubanisches Strassenfest miterleben zu können. Im Endeffekt waren es 15 portable Essensstände, die meistens nur asiatisches Essen angeboten haben ( wie über die Hälfte der Restaurants in der Stadt).  Ein Musikant hat auf seiner Geige herumgequietscht und uns taten die Füsse weh, da wir schon wieder durch ganz Wellington laufen mussten, um an diese verfluchte Strasse zu gelangen.

Fazit: Für mich schon wieder ein Flop. Wer erwartet, das hier das Nachtleben beginnt, der liegt falsch. An diesem Ort wird Diversität klein geschrieben, Strassenkünstler liessen sich keine blicken, bis auf die 1. Geige und ich war generell unzufrieden, da ich nicht schon wieder Reis mit Hühnchen und Gemüse essen wollte.

Ich hatte schon aufgegeben, die Hauptstadt und ihre Sehenswürdigkeiten irgendwie in mein Herz schliessen zu können, aber dann kam Te Papa.

Te Papa ist wohl das Genialste was es gibt. Es ist ein 4-stöckiges Museum, mit allen Themen, die das Herz begehrt und das Beste ist, dass es gratis ist!

Ich konnte live eines der stärksten Erdbeben Neuseeland miterleben, habe den grössten Tintenfisch der Welt gesehen und herausgefunden das der Kiwi-Vogel vielleicht gar keine einheimische Art ist.

Der beste Stock war aber der Letzte, der sich ausschliesslich mit der Kultur der Maori beschäftigt. Man durfte leider keine Fotos von den Ausstellungstücken machen, aber es war unglaublich! Von einem massstabsgetreuen Clanhaus, bis hin zu Schmuck, war alles dabei. Alle Ausstellungstücke stammen von einzelnen Maori oder  ganzen Stämmen als Leihgabe.

 

Übrigens wurden alle Texte im Museum in zwei Sprachen verfasst: Englisch und Maori!

Fazit: Ein absolutes Must See!!! 

Ich habe vielleicht zu viel von Wellington erwartet, da es die Hauptstadt von Neuseeland ist. Irgendwie gab es in meinem Hirn automatisch die Verknüpfung von Wellington= Hauptstadt=viel zu sehen.

Es ist keine hässliche Stadt, im Gegenteil, sie bietet eine grosse Vielfalt an Architektur. Alte und neue Gebäude sind wild durcheinander gewürfelt und verleihen der Stadt sogar einen gewissen Charme. Rund um Wellington wachsen unberührte Wälder und Naturschutzgebiete und es ist gibt keine Agglomerationsgebiete wie bei uns. In wenigen Minuten befindet man sich ein einem dschungelartigen Wald, wenn man der Stadt einmal entfliehen möchte- es ist eben eine kleine Grossstadt.

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Ältestes Gebäude von Wellington, eingebettet zwischen kleinen Wolkenkratzern

Auf jeden Fall werde ich für 3 Dinge nach Wellington zurückkehren.

1. Das Herr der Ringe Movie- Studio

2. Zealandia– ein Wald, durch den man von einem Guide Geführt wird, der einem einheimische Pflanzen und Tiere zeigt. Wenn man bei Nacht geht, dann sieht man flauschige Kiwis!

3. Um auf die Südinsel zu gelangen. Und vielleicht wieder zurück, aber nur vielleicht.

 

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3 thoughts on “Kleine Grossstadt

  1. Danke für den ganz feinen Bericht aus der Hauptstadt;-))
    Wird der Porridge in Neuseeland auch wie hier im Thurgau, mit feiner Butter und Berghonig gemacht?

    Freue mich bereits auf deine nächsten Geschichten – Grüessli Papi

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  2. Ja das hört sich spannend an – und dann ist da doch dieser feine Unterton, den man gar nicht so gerne hören möchte. Also deine Erwartungen sind noch nicht ganz erfüllt worden. Ich hoffe aber trotzdem fest, dass du nicht aufgibst und deine Neugier noch anhält. Manchmal oder gar meistens liegt das Wesentliche im Kleinen. Ich freue mich auf weitere Zeilen und wünsche dir viele neue Staunen. Hebs ganz guet Gotti

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