Kia Ora!

Möge es dir gut gehen!

Das hier geht an alle Mütter da draussen. Bitte pfuscht euren Kindern nicht rein, wenn sie dabei sind ihren Koffer für eine lange Reise zu packen, denn folgendes Szenario kommt dabei heraus:

Damaris erwacht nach einem über 13 stündigen Koma und fühlt sich wunderbar erholt, keine Spuren von Jetlag. Sie macht sich bereit für ihren 1. Schultag in Napier und geht nach vorne in die Küche. Ihr Gastvater Murray beäugt kritisch ihre lange, dunkle Jeans, das schwarze Top und die ebenfalls schwarze Jacke, nur um dann schmunzelnd zu sagen: “Dir ist bewusst, dass es heute über 26°C warm wird?”

Von diesem Moment an wusste Damaris, dass der Herbst hier eine nie enden wollende Tortur werden und sie nie, wirklich nie wieder auf ihre Mutter hören würde.

Es kann hier nicht nur unglaublich heiss werden (bis zu 30°C), nein, der Regen  ist hier auch so eine Sache…

Es gibt hier jede Form von Regen und man muss damit rechnen, dass es von einem Moment auf den andern beginnen könnte zu schütten wie aus Eimern. Dazu kommt dann meistens noch, dass es sehr schwül wird.

Aber was solls, braun werden ist für Anfänger. Bleich ist das neue Braun. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und der Regenschutz sowie hochgekrempelte Hosen sind nun ein Standartaccessoire von mir .

Ingesamt muss ich  sagen, dass ich mich vom ersten Tag an wie daheim gefühlt habe. Ich hatte und habe bis jetzt das Glück, kein Heimweh zu haben. Klar vermisse ich die Katzen…

Das Haus meiner Familie liegt am Hang einer der Hügel, auf denen man über die ganze Bucht sehen könnte, wenn sie nicht so verbaut und von Bäumen zugewachsen wären. Das Gute ist, dass wir bei einer Tsunamiwarnung nicht evakuiert werden (gute Nachrichten für meine Mutter, die mich vorsorglich bei der Rega angemeldet hat), das Schlechte ist, dass es mein Schulweg ist. Ich bin von meinem Hügel in der Schweiz weggekommen, nur um hier am anderen Ende der Welt wieder an einem leben zu müssen.

Auf der anderen Seite der Strasse haben wir die wohl ruhigsten Nachbarn der Welt. Ein alter Friedhof, auf dem  etliche Kolonialisten Neuseelands begraben liegen. Einige der Grabsteine sind schon so alt und verwittert, das man die Innschrift nicht mehr lesen kann. Dort findet man von Schotten bis hin zu Deutschen alle möglichen Einwanderer.

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Riesiger Grabstein auf dem Friedhof von gegenüber. Er gehört einem Schotten namens MacKenzie.

Übrigens ist es für Neuseeländer sehr untypisch keine Haustiere zu haben. War ja klar, das ausgerechnet ich zu der Familie komme, die weder eine Katze noch einen Hund hat, sondern nur diese riesigen amerikanischen Kakerlaken.

Bereits an meinem zweiten Abend hier hockte an der Wand, direkt oberhalb meines offenstehenden Koffers eines dieser hässlichen Viecher.

Und was macht man in einer solchen Situation? Man flitzt in die Küche, grabscht sich dort das grösste Glas und versucht es dann über dieses kotzreizerregende Etwas zu stülpen, ohne das es davon krabbelt oder runterfällt in seinen, ich wiederhole, geöffneten Koffer.

Hat man dies geschafft, drückt man das Glas mit seinem gesamten Lebenswillen an die Wand, versucht gleichzeitig ein Blatt Papier darunter zu schieben und dann schmeisst man das Ungetüm in hohem Bogen aus dem vorher geöffneten Fenster.

Das wir hier zu Hause meistens Barfuss herumlaufen kann ich nicht einfach so auf das Teil draufstehen, da ich sonst wirklich kotzen müsste.

Da gibt es noch eine andere, sehr nette Geschichte zu den Kakerlaken. Am Sonntag wollte meine Gastmutter in der Hühnersuppe herumrühren und hat deshalb eine Kelle aus der Schublade gezogen. Kurz bevor sie sie in die kochende Brühe getunkt hat bemerkten wir, dass sich auf dem Metall etwas befand…

Schreiend liess Jennifer die Kelle in den Abwaschtrog fallen und ich hechtete in den Essbereich.

Im Nachhinein denke ich, dass etwas knuspriges der Suppe nicht geschadet hätte…

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Strand von Napier am 29.3.2017

 

 

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2 thoughts on “Kia Ora!

  1. Liebe Damaris

    Also es ist ja höchst amüsant deine Zeilen zu lesen und macht richtig Spass. An Humor fehlt es dir nicht und eine gewisse Gelassenheit ist doch sehr wichtig zum Überleben. Je früher umso besser …
    Natürlich wünsche ich dir auch ganz normale Tage, so diese überhaupt möglich sind und doch denke ich, dass genau diese Erlebnisse dazu gehören, um ein Land kennen und vielleicht sogar lieben zu lernen. Ich wünsche dir wiiter e gueti Ziit. Gotti

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