Hawkes Bay

Nach 9 Wochen hier in Hawkes Bay bin ich nun endlich so weit, um euch meine vorübergehende Heimat vorzustellen.

Napier, in dem das Haus meiner Gastfamilie steht und ich zur Schule gehe, wurde nach einem der schlimmsten Erdbeben 1931 (6 Leute starben) praktisch von Grund auf neu Aufgebaut. Wie ein Phönix ist es aus der Asche emporgestiegen, denn die Bewohner von Napier haben sich etwas beim Wiederaufbau der Stadt überlegt. Herausgekommen ist dabei der einzigartige Art Deco Stil der Gebäude. Anfang des Jahres findet die Art Deco Woche statt, in der sich die Leute anziehen, wie zu jener Zeit. Im Generellen kann man sagen, dass die goldenen 20er ausgeschlachtet werden. Das geht von geführten Touren mit authentischen angezogenen Guides mit Wagen, bis hin zu Shops, mit Kleidern und Möbeln.

Nun haben aber einige Häuser das Erdbeben unbeschadet überstanden. The Houses oft he six Sisters, ist ein weiteres Highlight. Der Geschichte nach hatte ein Mann, wen überrascht es, sechs Töchter. Der Vater fand es allmählich für angebracht, dass diese auszogen und baute jeder einzelnen ein Haus. Weshalb er sie nicht einfach verheiratet hat, ist mir schleierhaft, wäre es doch wahrscheinlich günstiger geworden… Vielleicht war es die Mitgift?

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Houses of the Six Sisters

Wenn man nun und das habe ich vor 2 Wochen zusammen mit Mohammed und Karin getan, dem Hügel entlang ganz nach vorne läuft in Richtung Meer, dann kommt man am Aussichtspunkt Bluff Hill an. Es war aber eine halbe Weltreise von über 2 Stunden, wobei wir uns auch 2 mal verlaufen haben, aber es hat sich gelohnt, denn man wird mit einer Aussicht über das Meer und den Hafen belohnt.

Jeden März findet in Napier ein Festival statt, bei dem Strassenkünstler eine Wand zur Verfügung gestellt bekommen und das ist dabei herausgekommen…

Überall in der Stadt trifft mal grössere oder kleinere, buntere oder eintönigere davon an und man bleibt gerne einen Moment stehen um inne zu halten und das Kunstwerk zu betrachten.

Vor einer Woche fand der Hawkes Bay Marathon statt, an dem einige aus der Schule und natürlich ich, auch mit von der Partie waren. Bevor ihr jetzt voreilige Schlüsse zieht. Nein, ich bin nicht mitgerannt (Cousin Daniel aber auch nicht)! Ich habe als Freiwillige Helferin teilgenommen und den im Ziel angekommenen Läufern Getränke und Bananen bereitgestellt. Es war ein riesen Spass und die Athleten waren unglaublich dankbar. Einige sind fast gestorben, haben mir aber mit knallrotem Kopf für meinen Einsatz gedankt.

Das Ziel befand sich etwas ausserhalb in der Auffahrt eines Weinguts, was mich zum nächsten Punkt bringt- Wein! Ich, als nicht begeisterte Weintrinkerin befinde mich doch tatsächlich in der Weingegend, oh Ironie lass nach. Folgendes kann ich zu den Weinen hier aus der Gegend sagen: Sieht aus wie Wein, riecht wie Wein, schmeckt nach Wein.

In der Nähe von Hastings, einem weiteren Städtchen in der Bucht befindet sich das Te Mata Peak oder auch Sleeping Giant genannt, ein kleiner Berg mit wunderschönem 360 Grad Ausblick.

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Aussicht ins Landesinnere vom Te Mata Peak aus

Laut der Sage gab es einen Maorihäuptling mit einer wunderschönen Tochter mit dem Name Heneraku, was in Maori Baum heisst. Der Sohn eines benachbarten Maorihäuptlings wollte diese zur Frau. Da der Vater seine Tochter jedoch nicht gehen lassen wollte, stellte er dem jungen Mann unmögliche Aufgaben.

Eine davon lautete, den Berg zu essen. Also begann der junge Mann damit riesige Brocken aus Gestein heraus zu beissen und formte somit eine Felsformation, die aussieht wie ein schlafender Riese. Doch Te Mata war zu gierig und erstickte dabei.

Und was lernen wir daraus? Wenn man einen Berg nach sich benannt haben will, dann muss man ihn essen.

Ausserdem befindet sich hier der Längste Ortsname der Welt. Taumatawhakatangihangakoauautamateapoka.

Was so viel bedeutet wie: Das hier ist der Platz an dem Te Mata, der Mann mit den grossen Knien, der Berge beschnitt, bekletterte und ass, berühmt als Landesser, Nasenflöte für deine Freunde spielte.

 

 

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Kleine Grossstadt

Ich weiss nicht ob es daran lag, dass wir Wellington an einem Osterwochenende einen Besuch abstatteten, aber irgendwie hat mich die Stadt auf dem falschen Fuss erwischt oder ich sie…

Am Samstag ging es  früh los, so früh, dass wir um 8:00 Uhr Mühe hatten, irgendwo einen Platz zu finden, an dem einem Kaffee und Frühstück serviert wurde. Trotzdem sass ich an besagtem Morgen über glücklich vor einer dampfenden Schüssel Porridge, während meine beiden Mitreisenden abwechselnd die Schale und mich skeptisch beäugten- ja, ich mag Porridge!

Frisch gestärkt starteten wir den windigen und etwas regnerischen Tag mit einer kurzen Fahrt im berühmten Cable Car mit Endstation Botanical Garden und Sternwarte. Die Fahrt war kurz, man sah nicht viel von der Umgebung, da man meistens im Tunnel war, der mit diesen weihnächtlichen Blinklichtern ausgestattet ist, die andauernd die Farben wechseln.

Fazit: Kann man machen, es ist aber absolut kein Must See! Klar erspart man sich somit den Aufstieg zum botanischen Garten und kann ihn somit gemütlich hinunterlaufen zum Eingang, aber es gibt besseres. Und kleiner Tipp am Rande, geht früh am Morgen, dann hat es noch nicht so viele Leute.

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Aussicht vom botanischen Garten auf Wellington

Der botanische Garten wachsen viele Pflanzen, die alle schon verblüht waren, aber was erwartet man, wenn man im Herbst nach Neuseeland reist? Man hat einen unglaublich tollen Ausblick auf Wellington von da oben und kann, wie schon gesagt, den Garten von da oben gemütlich hinunter bis zum Eingang laufen (oder hoch). Es gibt  verschiedene Abschnitte mit ausländischen Pflanzen. Wer einheimische Arten sucht, der sollte lieber einfach so irgendwo spazieren gehen.

Fazit: Kann man machen, ist aber auch kein Must See! Und wenn man es besuchen will, dann nicht im Herbst/Winter. Auf jeden Fall hat man von da oben eine schöne Aussicht auf Wellington und der Abstieg hinunter in die Stadt, der durch einen alten Friedhof führt, ist auf skurrile Art und Weise amüsant und interessant.

Bei unserem Abstieg führte unser Weg direkt am Beehive vorbei. Da Wellington (wie nun alle wissen sollten) die Hauptstadt Neuseelands ist, befinden sich dort auch alle wichtigen politischen Persönlichkeiten und weil diese irgendwo wie fleissige Bienchen arbeiten, hat man ihnen besagtes Bienennest gebaut.

Wenn man wöllte, dann könnte man dort eine gratis Führung buchen, aber keiner von uns hatte Lust darauf und so haben wir nur einige Bilder von aussen gemacht.

Fazit: Ich persönlich finde das Gebäude hässlich- alle finden es hässlich. Trotzdem hat sich irgendein Architekt damit ein Denkmal gesetzt, auch wenn es kein schönes ist. Obwohl ich das Angebot einer gratis Führung nicht wahrgenommen habe, finde ich es für Interessierte, eine gute Sache.

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Der geschäftige Beehive

Am Abend fand auf der unteren Cuba Street ein Festival/Markt statt. In der Broschüre wurde es richtiggehend angepriesen als lauter und bunter Einstieg ins Nachtleben. Wir haben uns riesig darauf gefreut eine cubanisches Strassenfest miterleben zu können. Im Endeffekt waren es 15 portable Essensstände, die meistens nur asiatisches Essen angeboten haben ( wie über die Hälfte der Restaurants in der Stadt).  Ein Musikant hat auf seiner Geige herumgequietscht und uns taten die Füsse weh, da wir schon wieder durch ganz Wellington laufen mussten, um an diese verfluchte Strasse zu gelangen.

Fazit: Für mich schon wieder ein Flop. Wer erwartet, das hier das Nachtleben beginnt, der liegt falsch. An diesem Ort wird Diversität klein geschrieben, Strassenkünstler liessen sich keine blicken, bis auf die 1. Geige und ich war generell unzufrieden, da ich nicht schon wieder Reis mit Hühnchen und Gemüse essen wollte.

Ich hatte schon aufgegeben, die Hauptstadt und ihre Sehenswürdigkeiten irgendwie in mein Herz schliessen zu können, aber dann kam Te Papa.

Te Papa ist wohl das Genialste was es gibt. Es ist ein 4-stöckiges Museum, mit allen Themen, die das Herz begehrt und das Beste ist, dass es gratis ist!

Ich konnte live eines der stärksten Erdbeben Neuseeland miterleben, habe den grössten Tintenfisch der Welt gesehen und herausgefunden das der Kiwi-Vogel vielleicht gar keine einheimische Art ist.

Der beste Stock war aber der Letzte, der sich ausschliesslich mit der Kultur der Maori beschäftigt. Man durfte leider keine Fotos von den Ausstellungstücken machen, aber es war unglaublich! Von einem massstabsgetreuen Clanhaus, bis hin zu Schmuck, war alles dabei. Alle Ausstellungstücke stammen von einzelnen Maori oder  ganzen Stämmen als Leihgabe.

 

Übrigens wurden alle Texte im Museum in zwei Sprachen verfasst: Englisch und Maori!

Fazit: Ein absolutes Must See!!! 

Ich habe vielleicht zu viel von Wellington erwartet, da es die Hauptstadt von Neuseeland ist. Irgendwie gab es in meinem Hirn automatisch die Verknüpfung von Wellington= Hauptstadt=viel zu sehen.

Es ist keine hässliche Stadt, im Gegenteil, sie bietet eine grosse Vielfalt an Architektur. Alte und neue Gebäude sind wild durcheinander gewürfelt und verleihen der Stadt sogar einen gewissen Charme. Rund um Wellington wachsen unberührte Wälder und Naturschutzgebiete und es ist gibt keine Agglomerationsgebiete wie bei uns. In wenigen Minuten befindet man sich ein einem dschungelartigen Wald, wenn man der Stadt einmal entfliehen möchte- es ist eben eine kleine Grossstadt.

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Ältestes Gebäude von Wellington, eingebettet zwischen kleinen Wolkenkratzern

Auf jeden Fall werde ich für 3 Dinge nach Wellington zurückkehren.

1. Das Herr der Ringe Movie- Studio

2. Zealandia– ein Wald, durch den man von einem Guide Geführt wird, der einem einheimische Pflanzen und Tiere zeigt. Wenn man bei Nacht geht, dann sieht man flauschige Kiwis!

3. Um auf die Südinsel zu gelangen. Und vielleicht wieder zurück, aber nur vielleicht.

 

Windy Wellington

Der Osterhase kam mit einem sehr grossen und nassen Geschenk nach Neuseeland. Am Donnerstag im Laufe des Abends ist der Zyklon Cook vom Norden bis ganz hinab auf die Südinsel gewandert und hat überall seine Spuren hinterlassen. Laut Medien und meinem Gastvater hatten sie das letzte mal so einen schlimmen Sturm in 1968. Leider oder eben auch zum Glück konnten wir nicht viel sehen von ihm, da es zum einen schon dunkel war, als er neben uns vorbei zog und wir irgendwann im Laufe des Abends keinen Storm mehr hatten, dafür konnten wir ihn hören… Unglaublich viel Regen und Wind bis zu 100 km/h.

Wir konnten den Zyklon genauestens verfolgen. An der Ostküste, an der auch Hawkes Bay liegt, sind nach und nach die Lichter ausgegangen und irgendwann waren dann wir dran. Und dann hiess es im dunkeln hocken, weg von den Fenstern bleiben und gebannt dem Tosen und Rauschen des Sturms lauschen.

An anderen Orten, wo das Auge des Sturms vorüberfegte ist, hat man nur noch Dächer fliegen sehen, Flüsse sind übergetreten und haben so einiges mitgerissen, was ich am nächsten Tag live sehen konnte…

Meine Gasteltern sind erstaunlich ruhig geblieben, man kann auch nicht viel dagegen machen, falls er uns getroffen hätte. Murray hat auf jeden Fall im Keller ein riesiges Notlager, mit Gummiboot, Campingausrüstung usw. Er ist für alle Fälle gewappnet…

Für einige Zeit wussten wir nicht, ob wir die Reise nach Wellington antreten konnten, da eventuell Strassen überschwemmt sein könnten, aber schon am nächsten Tag schien die Sonne. Again a beautiful Day in the Bay!

Mit dem Bus ging es dann um 8:00 Uhr los und 5 1/2 Stunden später standen wir völlig kaputt und unterkühlt am Bahnhof. Wenn die Kiwis eines lieben, dann ihren Air Conditioner. Grundsätzlich ist es so, dass der AC läuft und dich direkt anbläst. Man kann dann nur noch auswählen, ob man schnell oder langsam einfrieren möchte, indem man zusätzlich noch seinen persönlichen Strahler einstellt.

Die Reise war wunderschön, das Wetter draussen unglaublich toll und man hat richtig Augenkrebs bekommen von den vielen Grüntönen, die einen auf der anderen Seite der Scheibe angelachten. Und ich sass hustend und schniefend im Bus, während ich einfror. In den 4 Wochen, in denen ich nun schon hier bin, war ich das 2 mal krank… Aber wer mich gut kennt, der weiss, dass das kein Wunder ist. Es gibt kaum eine Jahreszeit in der ich nicht krank bin.
Wir sind an unzähligen überfluteten Feldern vorbeigefahren. Haben übertretene und milchig braune Flüsse gesehen, die allerlei Sachen mit sich geführt haben. An manchen Stellen hat ein Stück Boden gefehlt und ich begann zu realisieren, dass es für einige Familie gar kein schönes Osterwochenende werden würde…

Wir standen also nach einer ermüdenden Busreise ausgehungert und an einem Karfreitag in Wellington.

Hier eine kurze Quizfrage. (Auflösung am Ende des Berichts)

Wellington ist…

a.) …die grösste Stadt von Neuseeland.

b.) …die Hauptstadt von Neuseeland.

c.) …nicht die Hauptstadt, das ist nämlich Auckland.

Die Kiwis nennen Wellington auch Windy Wellington und wir sollten kurz nach dem verlassen des Bahnhofs auch erfahren warum…

Wir traten am Nachmittag aus der Halle und es hat gewindet. Ich bin nicht dumm, klar weiss ich was windy bedeutet, nur habe ich unterschätz wie windy es sein würde. Man verlässt nichtsahnend und voller guter Dinge die geschützte, windstille Halle und schon im nächsten Moment peitscht einem der Wind nur so um die Ohren und lässt alles, was nicht niet und Nagelfest ist, davonfliegen oder um sich flattern.

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Aussicht auf Wellington City vom Meer aus

Eine meiner Begleiterinnen hätte es vor lauter Überraschung beinahe weggewindet, aber zum Glück stand ich, der Fels in der Brandung, da. Mit Google Maps bewaffnet und alles festklammernd, was man irgendwie festklammern konnte, kämpften wir und Schritt für Schritt voran nur um festzustellen, das unser Hostel direkt gegenüber vom Bahnhof lag.

Und da folgte auch schon die nächste Herzattacke. Das Gebäude sah aus als hätte es dringend eine Renovierung nötig. Wir blickten die Fassade hoch und die Gesichtszüge entglitten uns. Als wir in die Empfangshalle traten, bestätigte sich unser Verdacht. Es sah schäbig, abgenutzt und einfach nur wuäh aus.

Der Fahrstuhl war komplett mit Teppich ausgestattet, sowohl die Wände als auch der Fussboden. Mit einem unguten Gefühl im Magen öffneten wir die Zimmertür und… Waren positiv überrascht. Der Raum schien neu renoviert zu sein, mit eigenem Bad, genug Stauraum und Fernseher.
Da wir hungrig waren, machten wir uns auf die Suche nach einem offenen Lokal. Wie gesagt, war es Karfreitag und obwohl wir gegenüber vom Bahnhof stationiert waren, bedeutete das nicht, das wir automatisch im Stadtkern waren. Tatsächlich lagen wir etwas ab vom Schuss und irrten eine gute 3/4 h umher, bis wir aus Versehen die erste Attraktion in Wellington antrafen, die Cuba Street.

Bunt, laut und voller Leben. Dort gibt es von Bars, Cafes, Pubs, Restaurants, bis hin zu den schrillsten Shops, uralte Friseursalons, Maoritätowierer, alles, was das Herz begehrt. Die Hausfassaden sind in verschiedenen Stilrichtungen gebaut und meistens farbig angemalt.

Nun ist es in Neuseeland so wie bei uns in der Schweiz. Die Läden müssen an Feiertagen geschlossen bleiben. Das heisst, das am 13. April um Punkt 24:00 Uhr alle Restaurants, Bars, Clubs etc. schliessen und am 15. April am 00:00 Uhr wieder öffnen, was alle Kiwis dazu veranlasst, um diese Zeit in den Ausgang zu gehen und was zu essen…

Nichts desto trotz haben wir einen netten Laden gefunden, der überraschenderweise auf hatte und so schliefen wir mit etwas warmem im Magen ein.

Fortsetzung folgt…

Und die richtige Antworte wäre b.)!

Wer c.) gesagt hat, der liegt nicht falsch, befindet sich aber im falschen Jahrhundert. Für kurze Zeit war Auckland tatsächlich einmal die Hauptstadt Neuseelands, aber das war 1840…

 

Whakarewarewa Forest

Heute war ein trauriger Tag… Ich habe zwei wichtige Wegbegleiter in meinem Leben verloren. Ich habe sie geliebt und gehasst, bin mit ihnen durch dick und dünn gegangen und zusammen mit ihnen habe ich geweint und gelacht. Es ist unglaublich hart, wenn einem etwas wichtiges so unerwartet entrissen wird und man muss irgendwie versuchen mit dem Verlust klarzukommen.

Die Rede ist von meinen Wanderschuhen, die ich seit gut 10 Jahren occasion von jemandem übernommen habe. Und ja, es waren genau diese Schuhe, die mich am Zoll aufgehalten haben und der Grund waren weshalb ich meinen Koffer öffnen musste. Ich habe mich also gar nicht aufgeregt…

Aber beginnen wir von vorne.

Frohen Mutes und voller Tatendrang bin ich heute Morgen mit meinem geliebten Paar Wanderschuhe in die Schule gelaufen, da heute eine ausserschulische Aktivität stattfinden sollte: Der Whakarewarewa Forest oder auch Redwoods genannt.

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Dieser Weg war kein leichter, besonders nicht bei Regen

Als ich in der Schule ankam bemerkte ich, dass  die Sohle beider Schuhe anfing zu bröckeln und sich in der Mitte gespalten hatte. Die Sohle zu retten wäre hoffnungslos, liess ich mir von einer Fachfrau versichern, weswegen ich in der Mittagspause rasch ein neues Paar kaufen musste, die ich sogleich nach der Schule einlief.

Der Whakarewarewa Forest umfasst 5600 Hectar Land, das mehr oder weniger mit allerlei einheimischen Bäumen und Palmen bepflanzt wurde.

Am Boden findet man immer wieder Steine mit eingeschlossenen Muscheln, was beweist, das das Land auf dem ich jeden Morgen zu Schule gehe vor Jahrmillionen einmal im Meer lag. Was einige von euch vielleicht wissen ist, das Neuseeland auf dem pazifischen Feuerring liegt, was der Grund dafür ist, weshalb sie hier Erdbeben haben (Vulkane im Untergrund). Dieser Ring ist nichts anderes als die Kollision zweier Platten, im Falle von Neuseeland ist dies die pazifische Platte, die sich unter die indisch- australische schiebt und diese somit anhebt. Als wächst Neuseeland bis heute sehr langsam, aber stetig.

Leider hat das Wetter und die Zeit nicht so mitgespielt und ich habe nur einen sehr kleinen aber berühmten Teil des Waldes gesehen, nämlich der, der ihm den Namen gibt, die Californain Redwoods. 

Solche imposanten Bäume habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Sobald man seinen Blick nach oben reichtet hat, sah man nur noch Baum.

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Den Blick nach oben gerichtet in die Redwoods

Ich hoffe auf besseres Wetter, um einen ausgiebigeren Ausflug zu diesem wundervollen Ort machen zu können.

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Get Zealed

Begeisterung, Leidenschaft, Arbeits-, Dienst-, Pflichteifer.

 

Wie ist es in Neuseeland? Ich kann den Satz nicht mehr hören…!

Schon seit fast einem Monat befinde ich mich nun mitten unter ihnen und versuche nun so gut es geht die Mentalität und das generelle Lebensgefühl der Kiwis, wie ich es erleben darf, in Worte zu fassen.

Was mir bereits an meinem ersten Tag in der Schule auffiel war, dass es allen total egal ist, wie man herumläuft. Man muss sich keine Gedanken machen, ob jemand den Flecken vom Mittagessen auf dem T-shirt sieht oder ob man zu dick in dieser Hose aussieht. Es interessiert niemanden!

Damit will ich nicht sagen, dass die Kiwis ungepflegt aussehen oder schmuddelig gekleidet sind, es interessiert nur schlicht und ergreifend niemanden, ob sich die Farbe der Schuhe mit der der Bluse beisst. Ausserdem gehen sie sehr locker mit Piercings und Tätowierungen um, da fast jeder Neuseeländer beides hat.

Als ich dann heute nichtsahnend durch Napier lief ist mir der erste Mori mit einer Tätowierung im Gesicht begegnet. Ich musste augenblicklich an meinen Vater denken, der den Maori wahrscheinlich gefragt hätte, ob das abwaschbar sei. Für mich war es unglaublich eindrücklich, obwohl ich nur einen kurzen Blick riskiert habe. 

Die selbe Gleichgültigkeit besitzen sie auch bei ihren Autos und Häusern. Funktioniert es und ist nicht kaputt, dann wird es behalten.

Die Kiwis sind wohl das netteste Volk das es auf Erden gibt- vergesst die Kanadier. Das neue Nett ist Neuseeland.

Als ich das erste mal einkaufen war, hat mich die Kassierern begrüsst und mich mit einem breiten Lächeln gefragt wie es mir gehe. Ich stand ungelogen da wie ein Reh im Scheinwerferlicht und vor lauter Überraschung stumm wie ein Fisch.

Ein anderes Mal musste ich meinen Pass vorzeigen weil ich Alkohol kaufen wollte und die Kassiererin hat total begeistern gefragt weshalb ich hier in Napier bin und wir haben sicher 15 Minuten geredet, wobei einige Leute die hinter mir standen anfingen mitzureden. Die, die es eilig hatten wechselten ohne zu maulen zu einer anderen Kasse. Alles völlig normal hier.

In einem meiner Lieblingskaffees wird man von der Frau hinter dem Tresen mit Sweetie oder Sweetheart angesprochen. Letzten Freitag war ich etwas früher als geplant und ohne Abendessen zu Hause. Mein Gastvater hat sein Fish & Chips mit mir geteilt und einer seiner Freunde der selber Alkohol herstellt, hat mir sogleich stolz ein Glas seines American Pale Ale hingestellt. Danach folgte sein neuster Durchbruch Plum Wine (so etwas gutes habe ich noch nie in meinem Leben probiert). Ich habe ihm das Versprechen abgenommen, falls er diesen jemals professionell herstellt, unbedingt zu uns in die Schweiz zu exportieren.

Wir alle kennen dieses Gefühl wenn wir Ferien haben. Wir sind entspannt, locker und dennoch voller Tatendrang etwas zu machen und erleben. Der Ballast vom arbeitsreichen Alltag ist weg und wir haben endlich Zeit für uns. Und genau so sind die Kiwis die ganze Zeit über- total locker.

Ah ja übrigens am Montag habe ich mein erstes Erdbeben erlebt und hätte unsere Lehrerin uns nicht darauf aufmerksam gemacht, dann hätte ich es gar nicht mitbekommen. Und nein, absolut nichts hat sich bewegt. Ich war total enttäuscht.

 

 

 

 

 

 

 

Liebesgeständnis im botanischen Garten

… oder weshalb ich aufhören sollte nett zu sein…

Das Folgende ereignete sich am 26 März, meinem ersten Wochenende hier in Napier. Entgegen aller Erwartungen kämpfte sich die Sonne am Sonntag durch die dichte Wolkendecke und eine Freundin aus der Schule und ich beschlossen dem botanischen Garten neben unseren ziemlich toten Nachbarn, einen Besuch abzustatten.

Es war schön aber ich hätte genauso gut eine Runde im Garten meiner Mutter machen können…

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Irgendeine Blume aus dem botanischen Garten

Die Abteilung mit einheimischen Pflanzen fiel sehr klein aus, aber es war  interessant die riesigen Farne, auf die die Kiwis so stolz sind, einmal von nahem zu sehen. Hauptsächlich sieht man dort importierte Pflanzen. Das liegt daran, das in den Anfangsjahren der Besiedelung von Neuseeland kein Einfuhrverbot für ausländischen Pflanzen und Tieren galt- schwerer Fehler. Heute hat Neuseeland mit einer Opossum-Plage zu kämpfen. Sie haben hier auf der Insel keine natürlichen Feinde ausser den Menschen und fressen die Eier von mittlerweile vom aussterben bedrohten Vögeln.

Auf einer Tafel im Garten stand, dass man die Leute gewähren liess, damit sie sich schneller zu Hause fühlten in der neuen Umgebung (ich hätte also Felix und Feivel mitnehmen können). Wie gesagt, schwerer Fehler, den sie bis heute versuchen zu beheben.

Als wir alles gesehen haben, was es zu sehen gab, machte ich mich auf in die “Stadt”, um noch ein paar Besorgungen zu machen, da die Läden hier auch am Sonntag offen sind.

Und hiermit kommen wir zum Hauptteil der Geschichte.

Nichtsahnend lief ich die Strasse zu meinem vorläufigen zu Hause hoch und sah einen jungen Mann  auf dem Gehsteig sitzen. Es sah so aus als würde er schlafen, weswegen ich nichtsahnend auf ihn zu- und an ihm vorbeilaufen wollte.

Tja, da hatte ich die Rechnung ohne ihn gemacht…

“Oi, könntest du mir sagen was wir für Zeit haben?”, fragte er mich plötzlich ziemlich wach von unten herauf.

Der gute Mensch, der ich nun einmal bin und da ich das Handy eh schon in der Hand hielt, sagte ich ihm die Zeit.

Für mich war die Sache danach schon erledigt, aber für ihn anscheinend nicht. Schwankend stand er auf und wäre beinahe vornübergefallen, er hatte ordentlichen einen hinter der Binde, das konnte ich sehen. Danach bückte er sich und zeigte auf sein Fussgelenk, wo ich mit grossen Augen eine Fussfessel der Polizei erblickte. Er müsse um 19 Uhr daheim sein, murmelte mehr zu sich selbst als zu mir.

Das Herz rutschte mir in die Hose und alle Alarmglocken schrillten wie verrückt in meinem Kopf. Für mich gab es von da an nur noch ein Ziel- nach Hause.

Mit einem Nicken verabschiedete ich mich und lief los, er hinter mir her. Nach kurzer Zeit ging er neben mir, was mich doch etwas überraschte wegen seines Zustandes (…) und begann zu reden.

Er fragte mich ob wir nun Freunde seien. Schlafende Hunde, besonders betrunkene, soll man nicht wecken, weshalb ich ihm mehr schlecht als recht zustimmte.

Dann begann er mir von sich zu erzählen. Er sei 22 Jahre alt und studiere Maorisprache an der Universität. Das Erschreckende war, dass er wirklich nicht viel älter als ich aussah, nur total zerstört.

Das erste mal seit 8 Monaten sei er wieder in der Stadt gewesen, da er daheim bleiben musste und ich konnte mir gut vorstellen weshalb, schliesslich trägt man so ein Polizei-GPS nicht umsonst ums Fussgelenk… Und anscheinend hat er seinen Freigang auch ausgiebig gefeiert. Er habe gekifft und schon seit dem Aufstehen trinke er Alkohol.

Laut eigenen Angaben müsse er die Fussfessel tragen, da er beinahe gekidnappt worden wäre- wer`s glaubt wird selig .

Mein  Hirn suchte panisch nach einem Ausweg. Direkt nach Hause konnte ich mit ihm im Schlepptau nicht, ich hatte keine Lust darauf, dass dieser Kerl wusste wo ich wohne.

Deshalb viel mir die Antwort auf seine Frage wo ich hinwollte nicht schwer.

In den botanischen Garten.

Natürlich fragte er mich nach meinem Namen und woher ich komme.

Übrigens heisse ich ab jetzt Annabelle und komme aus Deutschland!

Er warnte mich vor Männern die sagen, dass ich hübsch aussehe und mich zu sich nach Hause einladen wollen… Eine Minute später säuselte er: Alle Mädchen aus Deutschland sind so schön, aber du bist die Schönste, die ich jemals von da gesehen habe… (Fremdschäm)

Ich fasste mir an den Kopf und meinte halbherzig, dass er nächstes mal den Teil mit der Warnung weglassen solle, dann hätte er vielleicht bessere Chancen bei einer.

Einfach so aus dem Nichts heraus meinte er darauf er sei sehr sportlich. Zum Beweis ging er in die Knie und von da aus begann der klägliche Versuch mir mit betrunkenen Liegestützen zu imponieren.

Unbeeindruckt setzte ich mich auf eine Bank im Garten. In der Nähe befand sich eine grosse Gruppe Menschen und ich beruhigte mich etwas. Falls etwas war, war ich nun zumindest nicht mehr alleine.

Nach kurzer Zeit stiess er zu mir und setzte sich zum Glück nicht neben mich, sondern auf eine andere Bank, so dass er mich ansehen konnte. Danach begann er an seinem  Rucksack zu zerren und  beförderte ein Sixpack Bier heraus, wovon er mir wortlos eine Dose hinhielt. Ich lehnte ab und tippte stattdessen auf meinem Handy herum.

Nach wenigen Augenblicken traf mich etwas am Knie. Es war eine Packung Medikamente, kurz darauf folgte eine andere. Als ich aufsah, schluckte er gerade eine Handvoll, als wären es Erdnüsse.

Mir wurde es langsam aber sicher wirklich zu viel und ich hätte beinahe begonnen zu weinen, da ich so gestresst war.

Immer wieder fragte er mich, wo ich wohne und ob ich ihm meine Nummer geben könnte, beides tat ich gequält lachend ab. Nie im Leben hätte ich ihm eines von beidem gesagt. Beleidigt fuhr er mich an, dass er in 4 Wochen die Fussfessel loswerden und eine riesige Party schmeissen würde, zu der ich unbedingt kommen müsse, aber dafür bräuchte er meine Nummer.

Als ich ihm nicht antwortete versuchte er es anders und wollte wissen, was ich morgen täte. Ich sei beschäftigt, meinte ich kurz angebunden. Er könne mich dahinfahren, ich müsse nur zu seinem Haus laufen…

Da stand ich auf und ging. Ich war noch so nett und gab ihm den nett gemeinten Rat jetzt nach Hause zu gehen, genügend Wasser zu trinken und dann zu schlafen.

Er folgte mir nicht, rief mir dafür hinterher, das er mich liebe.

Nach diesem unglücklichen Zusammentreffen habe ich ihn nie wieder gesehen.

Traurig bin ich nicht darüber.

Für alle, die sich jetzt unglaubliche Sorgen machen (hoi Papi), bitte, bitte reagiert nicht über. Ich verlasse nach wie vor jeden Tag das Haus, mir geht es blendend und die Kiwis sind wirklich sehr, sehr nette Menschen.

 

 

 

 

 

Kia Ora!

Möge es dir gut gehen!

Das hier geht an alle Mütter da draussen. Bitte pfuscht euren Kindern nicht rein, wenn sie dabei sind ihren Koffer für eine lange Reise zu packen, denn folgendes Szenario kommt dabei heraus:

Damaris erwacht nach einem über 13 stündigen Koma und fühlt sich wunderbar erholt, keine Spuren von Jetlag. Sie macht sich bereit für ihren 1. Schultag in Napier und geht nach vorne in die Küche. Ihr Gastvater Murray beäugt kritisch ihre lange, dunkle Jeans, das schwarze Top und die ebenfalls schwarze Jacke, nur um dann schmunzelnd zu sagen: “Dir ist bewusst, dass es heute über 26°C warm wird?”

Von diesem Moment an wusste Damaris, dass der Herbst hier eine nie enden wollende Tortur werden und sie nie, wirklich nie wieder auf ihre Mutter hören würde.

Es kann hier nicht nur unglaublich heiss werden (bis zu 30°C), nein, der Regen  ist hier auch so eine Sache…

Es gibt hier jede Form von Regen und man muss damit rechnen, dass es von einem Moment auf den andern beginnen könnte zu schütten wie aus Eimern. Dazu kommt dann meistens noch, dass es sehr schwül wird.

Aber was solls, braun werden ist für Anfänger. Bleich ist das neue Braun. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und der Regenschutz sowie hochgekrempelte Hosen sind nun ein Standartaccessoire von mir .

Ingesamt muss ich  sagen, dass ich mich vom ersten Tag an wie daheim gefühlt habe. Ich hatte und habe bis jetzt das Glück, kein Heimweh zu haben. Klar vermisse ich die Katzen…

Das Haus meiner Familie liegt am Hang einer der Hügel, auf denen man über die ganze Bucht sehen könnte, wenn sie nicht so verbaut und von Bäumen zugewachsen wären. Das Gute ist, dass wir bei einer Tsunamiwarnung nicht evakuiert werden (gute Nachrichten für meine Mutter, die mich vorsorglich bei der Rega angemeldet hat), das Schlechte ist, dass es mein Schulweg ist. Ich bin von meinem Hügel in der Schweiz weggekommen, nur um hier am anderen Ende der Welt wieder an einem leben zu müssen.

Auf der anderen Seite der Strasse haben wir die wohl ruhigsten Nachbarn der Welt. Ein alter Friedhof, auf dem  etliche Kolonialisten Neuseelands begraben liegen. Einige der Grabsteine sind schon so alt und verwittert, das man die Innschrift nicht mehr lesen kann. Dort findet man von Schotten bis hin zu Deutschen alle möglichen Einwanderer.

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Riesiger Grabstein auf dem Friedhof von gegenüber. Er gehört einem Schotten namens MacKenzie.

Übrigens ist es für Neuseeländer sehr untypisch keine Haustiere zu haben. War ja klar, das ausgerechnet ich zu der Familie komme, die weder eine Katze noch einen Hund hat, sondern nur diese riesigen amerikanischen Kakerlaken.

Bereits an meinem zweiten Abend hier hockte an der Wand, direkt oberhalb meines offenstehenden Koffers eines dieser hässlichen Viecher.

Und was macht man in einer solchen Situation? Man flitzt in die Küche, grabscht sich dort das grösste Glas und versucht es dann über dieses kotzreizerregende Etwas zu stülpen, ohne das es davon krabbelt oder runterfällt in seinen, ich wiederhole, geöffneten Koffer.

Hat man dies geschafft, drückt man das Glas mit seinem gesamten Lebenswillen an die Wand, versucht gleichzeitig ein Blatt Papier darunter zu schieben und dann schmeisst man das Ungetüm in hohem Bogen aus dem vorher geöffneten Fenster.

Das wir hier zu Hause meistens Barfuss herumlaufen kann ich nicht einfach so auf das Teil draufstehen, da ich sonst wirklich kotzen müsste.

Da gibt es noch eine andere, sehr nette Geschichte zu den Kakerlaken. Am Sonntag wollte meine Gastmutter in der Hühnersuppe herumrühren und hat deshalb eine Kelle aus der Schublade gezogen. Kurz bevor sie sie in die kochende Brühe getunkt hat bemerkten wir, dass sich auf dem Metall etwas befand…

Schreiend liess Jennifer die Kelle in den Abwaschtrog fallen und ich hechtete in den Essbereich.

Im Nachhinein denke ich, dass etwas knuspriges der Suppe nicht geschadet hätte…

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Strand von Napier am 29.3.2017

 

 

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

… auf dem Boden ist sie es jedenfalls nicht!

Ich habe es tatsächlich geschafft und bin nicht irgendwo auf dem Weg von der Schweiz bis nach Neuseeland verloren gegangen.

Seit sechs Tagen lebe ich nun bereits unter den Kiwis, wie sich die Neuseeländer selbst nennen und habe so viel zu erzählen, das ich gar nicht weiss, wo ich beginnen soll.

Am besten von Anfang an.

Meine Reise ans andere Ende der Welt startete am Freitag dem 18.3.2017 am Zürcher Flughafen. Kurz und schmerzlos habe ich mich dort von drei sehr wichtigen Leuten in meinem Leben verabschiedet. Gerne würde ich sagen, das keine Tränen geflossen sind, aber das wäre gelogen…

Die Angst, zum ersten mal überhaupt alleine und dann auch noch so weit zu fliegen, hat mir sehr zugesetzt, aber im Nachhinein kann ich nur  den Kopf schütteln und darüber lachen.

Klar, kann ich euch sagen, dass ich in Singapur beinahe ausgerastet wäre, weil sie dort ein sehr spezielles System haben. Man kann erst 20 Minuten vor dem Abflug durch den Sicherheitscheck und ans Gate.  Mein innerer Eidgenosse und stolzer Bünzli ist tausende Tode gestorben.

Die Wachmänner vor dem Sicherheitscheck geniessen ihren Job sichtlich. Breitbeinig stehen sie vor dem Durchgang und herrschen mit eiserner Faust darüber, wer durch kann und wer nicht und wehe man hat sein Ticket nicht in Sichtweite, um es ihnen direkt unter die Nase zu halten!

Danach kam ein weiteres Problem das ich bewältigen musste. Jeder Einreisende muss einen Zettel ausfüllen auf dem er genauestens angibt, wie lange er bleibt, wo er wohnt, was er transportiert und welche Produkte darin enthalten sind. Vor lauter Angst, da sie es sogar noch gross und fett hinschreiben, eine ordentliche Busse zu zahlen, habe ich es mit dem Ankreuzen etwas übertrieben…

Für alle, die es nicht wissen, Neuseeland versucht seine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt so gut es geht zu schützen, weshalb die Kontrollen und Bussen unglaublich streng ausfallen.

Zuerst einmal wurde ich auf Herz und Nieren geprüft und gefragt, was ich überhaupt diese 5 Monate hier mache und wieso ich dies täte, danach ging es weiter zur Durchleuchtung meines Koffers. Man wird penibelst zu den angegebenen Punkten auf dem Zettel befragt und muss Auskunft darüber geben, weshalb man sie so angekreuzt hat.

So weit, noch nicht so schlimm. ABER DANN musste ich wegen meiner bereits gebrauchten Wanderschuhe zur Kofferdurchsuchung (sie könnten ja Samen oder etwas ähnliches an sich haften haben).

Dort habe ich richtig, richtig heftige Panik bekommen. Man konnte dabei zusehen, wie sie ganze Koffer in ihre Einzelteile zerlegt haben und jedes kleine Stück Kleidung oder was auch immer untersucht haben. Ich sah mich ehrlich gesagt schon bis auf die Unterhosen ausgezogen in Auckland am Flughafen stehen…

So weit ist es dann nicht gekommen. Eine sehr nette Frau hat meine Wanderschuhe genommen und sie in eine Flüssigkeit getunkt, die sie versiegelt und danach durfte ich auch schon gehen.

Endlich in Auckland angekommen habe ich mich dann an einen Informationsschalter geschleppt, wo mir ein ebenfalls sehr netter Mann erklärt hat, dass ich für Inlandflüge zu einem anderen Abschnitt des Flughafen müsse. Dafür sollte ich einfach der grünen Linie auf dem Boden folgen, die würde mich dahin bringen. Es wäre ein Fussmarsch von 5 Minuten.

  1. Bin ich der Linie ein ganzes Stück in die Falsche Richtung gefolgt und durfte alles wieder zurück laufen.
  2. Wären es so oder so nie im Leben 5 Minuten geworden, um ans andere Ende des Flughafens zu kommen. Vor allem nicht bei über 25°C (eigentlich sollte es Herbst sein) und beladen wie ein Packesel, mit einem riesigen Rucksack auf dem Rücken und einem schweren Koffer im Schlepptau …

Der Flug von Auckland nach Napier war sehr abenteuerlich. Inlandflüge sind meistens  kleine Flugzeuge, in denen rund 40 Personen Platz haben.

Dazu kam noch, dass ich das Glück hatte, einen Platz bei den Notausgängen zu erwischen. Vor dem Flug musste ich mich deshalb noch durch eine Broschüre quälen, in der mir bis ins kleinste Detail erklärt wurde, was ich bei einer Notlandung zu tun hätte. Man öffnet die Tür übrigens nicht, wenn man Wasser oder Feuer sieht und sich die Flugzeugturbinen noch bewegen- das nur am Rande.

Für einen kurzen Moment, als wir dabei waren in die Lüfte zu steigen, dachte ich wir stürzen tatsächlich ab. Das Flugzeug hat geruckelt als gäbe es kein Morgen, aber nach einer Stunde Flug bin ich sehr müde und sehr verschwitzt in Napier angekommen und von meinem Gastvater Murray und meiner Gastschwester Rianna herzlich empfangen.